Mein kleines Furchtbar und ein Drücker vom Himmel
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Gestern Abend ist mir etwas furchtbar Ärgerliches passiert. Das Wort „furchtbar“ scheint hier – in Anbetracht all dessen, was auf Erden gerade wirklich alles Furchtbares passiert – verkehrt zu sein, aber zwei Dinge können ja parallel wahr sein: Es kann wirklich schlimme Geschehen auf der Welt geben, und dann kann es eben trotzdem noch meinen kleinen, ärgerlichen Alltagsschmerz geben.
Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein.
Daran erinnere ich auch meine Freundinnen gerade immer wieder:
Die Welt kann sich zum Beispiel angsteinflößend anfühlen, und du selbst darfst trotzdem glücklich sein und darüber reden. Es macht dich nicht zu einem ignoranten Miststück. Und genauso hat auch dein eigenes Furchtbar nicht weniger Daseinsberechtigung, nur weil es irgendwo ein größeres Furchtbar gibt. Das gibt es nämlich fast immer, und dann dürfte niemand mehr sagen, was ihm auf dem Herzen liegt, und wir alle würden an unseren kummervollen Herzchen zugrunde gehen. Das möchte ich nicht.

Ich hatte also ein kleines Furchtbar.
Einen kleinen, blöden, selbsterzeugten Alltagsschmerz.
Und er hat mit unserer Haussuche zu tun.
Mein Mann und ich sind jetzt seit gut zweieinhalb Jahren auf der Suche nach einem Eigenheim. Wenn ich ehrlich in mich hineinhöre, ist auch dieses Thema in mir mit Scham verbunden. Ich teile so wenig darüber, weil mir sehr bewusst ist, wie wenige Menschen es sich zum aktuell erlauben können, auch nur über ein Haus nachzudenken. Ich möchte weder den Eindruck erwecken, dass dies ein Schritt sei, den man in seinem Leben unbedingt erreicht haben müsste, noch möchte ich Eifersucht auslösen. Und ich möchte auch nicht über Privilegien wie: „Ach – wir suchen schon so lange ein Haus, aber das ist es schon wieder nicht“ jammern, wenn andere Menschen ganz andere, existenzielle Sorgen haben.
Aber damit wären wir wieder beim kleinen und beim großen Furchtbar: Auch ich muss und darf lernen, dass mein kleiner Kummer neben den größeren Kummern dieser Welt existieren darf. Und dass ich über das reden darf, was mein Herz bewegt.
Wir suchen also seit langer Zeit nach einem Haus.
Ich überschlage die Jahre jetzt nur mal grob im Kopf, aber ich glaube, dass wir uns schon um die 20-30 Objekte persönlich angesehen haben. Wir waren oft vor Ort, redeten mit Maklern und Eigentümern, gaben sogar ein erstes Angebot ab… Aber irgendwie war es letztendlich nicht das Richtige. Aber das ist Inhalt für einen anderen Blogbeitrag.
Eigentlich ist es nämlich so, dass ich aktuell gute Neuigkeiten habe.
Seit letztem Jahr August sind Daniel und ich in Gesprächen zu einem Haus, das wir von Herzen gerne zu unserem Zuhause machen würden. Weil sich dieser Fund über Umwege ergeben hat, dauert der Kommunikationsprozess nun schon eine lange Zeit. Aber das hält mich – als die weitaus emotionalere Seite unseres Ehe-Teams – natürlich nicht davon ab, mich gedanklich schon mal im Grundriss einzurichten. Und genau dieser Grundriss war der Grund für mein kleines, panisches Furchtbar des gestrigen Tages.

Meine große Grundriss-Liebe
Ich weiß nicht, wie ihr da so drauf seid, aber ich LIEBE Grundrisse, die ich träumerisch mit Leben füllen kann. Auch wenn es mir danach meistens das Herz bricht, wenn wir dann gar nicht einziehen.
Das Haus, das uns gerade gefällt, ist so schlecht dokumentiert, dass uns Besitzer und Makler leider keine korrekt abgemessenen Grundrisse dafür geben konnten. Also machten wir uns selbst die Mühe, bei einer Besichtigung jede noch so kleine Ecke auszumessen. Das war stundenlange Kleinstarbeit. Und das Anlegen im Computer, sodass jeder Fensterabstand, jede Türbreite und jede Stufenanzahl maßstabsgetreu angelegt ist, war erst recht zeitintensiv für mich.
Aber ich habe es geschafft und war bis gestern Abend stolze Besitzerin eines maßstabsgetreuen Grundrisses, der sich über drei Etagen erstreckte. Ich hatte im Programm meines Vertrauens Böden verlegt und Wandfarben gewählt, Teppichmuster kuratiert und Zimmer möbliert. All das geht auf einer Seite namens Homestyler, die ich bis gestern eigentlich richtig toll fand. Und dann passierte Folgendes:
Der Klick des Verderbens.
Um 20 Uhr schloss ich mein gerade absolviertes Zimmerprojekt und wollte die Seite schließen. Da sah ich, dass der Ordner vor mir mit der Überschrift „Veröffentlichte Entwürfe“ beschrieben war. Und irgendetwas in meinem müden Kopf dachte: „Oh, ich habe aus Versehen Kopien meines Grundrisses veröffentlicht, also online gestellt!“.
Das wollte ich natürlich auf gar keinen Fall und löschte sofort und ohne Zögern schnell die zu sehenden Dateien. Ich tat es in dem Glauben, dass es nur Kopien meiner Originale waren. Dieser Glaube schien sich auch zu bestätigen, weil sie sich so unfassbar einfach löschen ließen: Ich klickte auf drei Punkte am Entwurfrand, dann auf „Löschen“, und ohne weitere Warnmeldung war der Entwurf weg.
Aber als ich dann den Ordner „Meine Entwürfe“ aktualisierte, war dieser plötzlich leer.
Oh. FURCHTBAR. Ich hatte nicht die Kopien gelöscht. Ich hatte die ORIGINALE gelöscht!!!
Wochen an Arbeit, Detailverliebtheit und Maßstabsarbeit waren mit einem Klick weg. Pläne, nach denen wir zukünftige Handwerker beauftragen und Möbel wählen wollten – einfach in Luft aufgelöst. Ganz ohne Pop-up-Vorwarnung. Ganz ohne: „Willst du nicht nochmal überlegen?“. Und vor allem ganz ohne Back-up.

(Bild von Unsplash; Amsterdam City Archives)
Help me!!!
Natürlich flog mein Blick sofort über die Website. Mein Herzschlag beschleunigte sich, und ich fing - wie für mich üblich - automatisch an, laut mit mir zu reden: „Ruhig bleiben, Sarah, alles wird gut, es gibt eine Lösung“.
Ich suchte also ÜBERALL eine Backup-Lösung, fand aber keine. Kein Papierkorb, aus dem ich Dateien wiederherstellen könnte, keine alten Versionen in einem Verlauf, den ich hätte aufrufen können. Ich klickte mich durch Foren, durch Google und ChatGPT. Alle sagten mir das Gleiche: Bei Homestyler gibt es keine Möglichkeit, gelöschte Entwürfe wiederherzustellen.
Auf die Frage, wie wahrscheinlich es wäre, dass der Support mir auf eine Anfrage antworten und meinen Entwurf wiederherstellen würde, sagte ChatGPT, dass die Wahrscheinlichkeit nicht ganz null wäre – aber eigentlich schon. .

Ich habe echt die Krise bekommen.
Und ich war so sauer auf mich selbst. Natürlich zog ich trotzdem alle Register. Ich klickte das Support-Symbol. Ich schrieb eine Nachricht an den Support. Ich schrieb einen eigenen Forenbeitrag - in der Hoffnung, doch noch irgendwelche neuen Informationen zu bekommen. Ich rief meinen Mann an, der beruflich in der Tech-Branche tätig ist, und er klickte sich selbst lange durch meinen Laptop, fand aber auch keine Lösung.
Spätestens ab diesem Punkt war ich wirklich hoffnungslos. Denn Daniel hat eigentlich immer eine Lösung. Aber dieses Mal nicht.
Also tat ich, was mir übrig blieb...
...und was ich eigentlich sowieso zuerst tun sollte, aber viel zu oft zuletzt tue. Ich betete: „Jesus, kannst du bitte meine Entwürfe wiederherstellen? Wir brauchen sie doch für das Haus“. Hoffnungsvoll klickte ich auf „aktualisieren“ auf der Website. Doch der Bildschirm blieb leer.
Für manche mag es komisch wirken, dass ich Gott mit solchen kleinen Kummern bestürme. Mir ist wichtig dazu zu sagen, dass ich ihn mit allem bestürme – nicht nur mit den kleinen Sachen. Ich bete für Länder, Regierungen, Gerichte, Krankheiten, Klausuren, Freunde, Fremde, Tiere. Alles. Aber dann eben auch für die kleinen Sachen.
Doch weil nichts zu helfen schien wurde ich zunehmend frustrierter, verzweifelter und auch einfach müde. Ich legte in einem halbherzigen Frustversuch einen neuen Entwurf an, aber es war nichts, was man später wirklich hätte gebrauchen können. Also entschied ich mich, schlafen zu gehen und klagte noch lange meine eigene Dummheit in Richtung Himmel.

Der Morgen danach war mäßig.
Ich schlief ein. Ich wachte auf. Ich erinnerte mich daran, dass ich Wochen an Arbeit gestern Abend mit einem Klick gelöscht hatte. Ich zog die Decke über den Kopf. Ich las meine Bibel. Ich trank meinen Kaffee. Ich guckte, ob mein Entwurf auf wundersame Weise wiederhergestellt wurde, aber da war nichts. Nur der schlechte Notfall-Entwurf von gestern Nacht. Ich klickte auf die drei Punkte – und auf „Löschen“.
Und hier passiert mein Alltagswunder
Denn dieses Mal erschien - anders als am Vortag - eine Warnmeldung auf meinem Display!
„Bist du sicher, dass du diesen Entwurf löschen möchtest? Gelöschte Entwürfe werden für 30 Tage im Papierkorb gespeichert, bis sie unwiderruflich gelöscht werden“, stand da. Ich las es nochmal. Und nochmal. Bitte was? Es gibt jetzt einen Papierkorb? Ich hatte doch gestern ALLE künstliche Intelligenz, die das Internet zu bieten hat, darüber befragt, ob es das gäbe! Und die Antwort war ein eindeutiges „NEIN!“ gewesen!
Sofort klickte ich mich rüber zu Google und fragte wieder: „Wo finde ich den Papierkorb bei Homestyler?“. Und wieder war die Antwort: „Es gibt keinen Papierkorb“. Verwirrt und enttäuscht ging ich zurück auf die Website, ließ nochmal meinen Blick schweifen… Und entdeckte unten, neben dem Support-Symbol (das sowohl Daniel als auch ich gestern gedrückt hatten!), plötzlich ein Symbol: Einen Mülleimer mit Recyclingsymbol.
Mit dem orangenen Schriftzug „NEW“ auf seinem Deckel prangend.

Meine Gebetserhörung
Ich kann das bis jetzt gar nicht glauben. Ungläubig klickte ich auf das Symbol. Und vor mir öffneten sich alle Entwürfe, die ich gestern gelöscht hatte – mit der Möglichkeit, sie einfach wiederherzustellen.
Leute. Das war krass. Ich bin mir sicher, Jesus hat mir über Nacht einfach einen Papierkorb programmiert, um mir meine Entwürfe zurück zu schenken. Wie verrückt ist das denn bitte?
Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Sofort machte ich ein Foto für Daniel und erzählte ihm, was gerade passiert war. Dass Gott sich für meinen kleinen Alltagsschmerz inmitten all des großen Weltchaos interessiert hatte und mir ein Gebet erhört hatte.
Ja, für mich ist es eine absolute Gebetserhörung. Ich erzählte auch meiner Freundin Marlene in einer hibbeligen Sprachmemo davon, und sie antwortete mir: „Das ist irgendwie echt eine lustige Erhöhung, Sarah. Wie schön. Das muss sich so anfühlen wie ein augenzwinkernder Drücker von deinem Papa im Himmel“.
Ich finde, diese Beschreibung trifft es sehr gut: Es mag kein großes Anliegen gewesen sein, aber es ist eines, mit dem Gott genau meine Liebessprache gesprochen hat. Ich hatte eine kleine Ohnmachtssituation erlebt – und er hat mir gezeigt, dass ich mich mit dem kleinsten Furchtbar an ihn wenden darf.

Ein kleiner Zuspruch an dich und mich
Mir zeigt das sein humorvolles Wesen und sein Interesse an meinem allerkleinsten Alltagsschmerz. Es beantwortet mir nicht die Frage, warum große Kriege nicht enden oder eine Freundin den Job nicht bekommen hat, für den wir wochenlang gebetet haben. Letztendlich weiß ich aber auch, dass ich nicht entscheiden und bewerten kann, welche Gebete Gott zu erhören oder nicht zu erhören hat. Wichtig ist mir: Er tut es immer wieder! Und auch in diesem Fall hat er es getan: Auf einer mehr oder weniger hässlichen Plattform schenkte er mir die unverhoffte Erinnerung:
Ich sehe dich. Ich drücke dich. Du kannst dich mit allem an mich wenden.
Und mit diesem Wissen bin ich heute lächelnd durch den Tag gegangen. Ich halte die kleinen und großen Furchtbars in meiner Welt damit wieder viel besser aus. Denn ich weiß, ich bin in jedem Fall nicht alleine.
Und das ist mein Zuspruch an dich:
Wenn du keine Lösung findest, wenn die KI keine Lösung findet, wenn Google und der weltbeste Partner keine Lösung finden – Gott kann sie doch finden. In meinem kleinen Fall, aber ganz sicher auch in deinem großen. Er kann ein atemberaubendes Wunder tun, das richtig laut PENG macht. Oder er kann über Nacht einen winzigen Online-Papierkorb programmieren, den du verschlafen morgens auf dem Sessel entdeckst.
Und ja, letzteres fühlte sich wirklich wie ein Drücker von meinem Papa im Himmel an!

10 Kommentare
Ach Sara … letzten Sonntag habe ich Dich in der Radiosendung bei Kristian Thees gehört und dann bist Du ein wenig in unser Leben getreten. Und deshalb las ich mal was hier im Blog so steht … weil das eher gar nicht mein Ding ist. Vor diesem letzten Sonntag wäre das hier mein kleines Furchtbar gewesen. Und zu der möglichen Erhörung bei Deinem kleinen Furchtbar … also wenn ich Gott wäre und bekäme in all dem fiesen Schlamassel den die Menschen hier gerade anrichten die Chance mit einem kleinen Papierkorb einem Menschen etwas Gutes zu tun … ich würde es machen. Und alleine der Gedanke mit einem digitalen Papierkorb ein kleines Glück, eine Erleichterung und eine Botschaft zu senden, das ist doch besser als jedes Furchtbar. Ich werde ab heute meinen kleinen digitalen Papierkorb auf dem Laptop ganz anders wahrnehmen.
Hach Sarah, ich lieb’s! Diese Kleinigkeiten, die einem doch gerade so wichtig sind und selbst da lässt uns unser Papa nicht allein.
Ich war letztens mit dem Auto auf dem Weg zu unserem Alphakurs, den ich mitgeleitet habe. An dem Abend sollte ich ein paar Willkommensworte und ein Gebet sprechen und war dementsprechend nervös. Im Auto machte ich laute Lobpreismusik an und während ich fuhr, bete ich laut “Bitte Papa, schenke mir deinen Heiligen Geist und lass mich heute Abend ein Licht für alle sein” und im selben Moment gingen an der Straße die Laternen an. Ich prustete laut los, das war so befreiend und lustig zugleich. Und ich wusste, so belanglos das jetzt vielleicht für andere sein mag, unser Gott ist gut und er hat gerade mich gemeint. 🙌🏻❤️🔥🙏🏻
Danke liebe Sarah ❤️ heute (eigentlich gerade eben) habe ich auch mein eigenes kleines Furchtbar erlebt und es fühlt sich alles so groß und schwer an. Danke für die Erinnerung dass für unseren lieben Papa nichts zu klein ist und ich jetzt gleich zu ihm laufen darf! 🥹
Ich liebe solche Geschichten von Gebetserhörung einfach immer wieder. Danke liebe Sarah, dass du uns daran teilhaben lässt. Du bist soooo eine Inspiration für mich. Habe früher, als ich jung war auch gerne und viel geschrieben, Tagebuch, Gedanken, kleine Geschichten, die ich mir ausgedacht hab und dann wurde ich erwachsen…. und hab das irgendwie verloren.
Wow, wie krass ist das denn? – Gefühlschaos pur mit göttlichem Wunder-Ende, so nachvollziehbar, und kenne das verzweifeln soo gut. Und dann das sanfte anstupsen durch Gottes Güte im Unscheinbaren, mittendrin – welches man nur sehen kann, wenn man auf Gott blickt und ihm vertraut – auch wenn man fast ohne Hoffnung ist.